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Welche IRONMAN-Strecken sind am schnellsten? So wird der Speed-Score berechnet
Ob eine Strecke schnell ist, weißt du bei der Rennwahl meistens nur vom Hörensagen. Die einen sagen, Kona sei brutal, die anderen, Penghu sei flach. Beides stimmt nur zur Hälfte: Konas Terrain ist eigentlich gar nicht so hart, hart sind Wind und Hitze. Penghu ist tatsächlich flach, aber wenn im April der Monsun bläst, fährst du dort wie am Berg.
Der Speed-Score macht aus diesen vagen Eindrücken eine Zahl, die sich vergleichen lässt.
Wie wird der Score berechnet?
Jede Strecke startet bei 100 und verliert in vier Kategorien Punkte, tiefer als 30 geht es nicht:
| Faktor | Abzug | Maximal |
|---|---|---|
| Terrain | durchschnittliche Höhenmeter pro Kilometer × 1.8 | −30 |
| Technik (Kurven) | Dichte der Kurven, vor denen du bremsen musst, × 0.13 | −12 |
| Hitze | jedes Grad über 24°C am Renntag × 1.2; jedes Grad unter 10°C × 0.5 | −14 |
| Wind | typische Windgeschwindigkeit am Renntag (m/s) × 2.2 | −16 |
100 steht für ideale Bedingungen zum Schnellfahren: flach, kühl, windstill, wenige Kurven. Ab 90 gilt eine Strecke als sehr schnell, 80 bis 89 als schnell, 70 bis 79 als neutral, 60 bis 69 als hart, unter 60 als sehr hart.
Die vier Obergrenzen sind bewusst unterschiedlich. Terrain wiegt am schwersten, weil Höhenmeter wirklich zusätzliche Kraft kosten und du ihnen weder mit Position noch mit Material ausweichen kannst. Technik, also die Kurven, hat die niedrigste Obergrenze, weil das Bremsen vor einer Kurve jeweils nur ein paar Sekunden kostet und eine Strecke kaum allein dadurch hart wird.
Was misst jeder Faktor?
Terrain misst die Höhenmeter pro Kilometer, nicht die Gesamthöhenmeter. 1800 m auf 180 km und 900 m auf 90 km ergeben beide im Schnitt 10 m pro Kilometer und kosten dieselben Punkte. Nur so lassen sich Langdistanz und 70.3 in einer Tabelle vergleichen.
Technik zählt Kurven, und zwar nur die, vor denen du wirklich bremsen musst: Die Richtung muss sich innerhalb eines Abschnitts um mehr als 25 Grad ändern. Die natürlichen Bögen einer Landstraße kosten keine Punkte. Ein Wendepunkt sind 180 Grad auf einen Schlag, deshalb verlieren Stadtkurse mit mehreren Runden und vielen Wendepunkten hier mehr.
Diese Regel wurde einmal geändert, und zwar wegen Challenge Roth. Eine frühe Version zählte jeden natürlichen Bogen der deutschen Landstraßen mit. Roth verlor dadurch 15 Punkte, was überhaupt nicht zu seinem Ruf als schnelle Strecke passte. Seit nur noch Kurven zählen, vor denen gebremst werden muss, liegt der Technik-Abzug in Roth bei 3.5.
Hitze und Wind beruhen auf dem Mittel der tatsächlichen Wetterdaten desselben Zeitraums in den letzten fünf Jahren. Quelle sind langjährige, rekonstruierte Beobachtungsdaten der Wetterdienste, es spielt also keine Rolle, wie oft das Rennen schon ausgetragen wurde. Selbst ein Rennen, das zum ersten Mal stattfindet, hat so vom ersten Tag an einen vollständigen Score, solange die Termine bekannt sind. Wählst du im Dashboard den genauen Renntag, werden diese beiden Faktoren mit der Vorhersage für diesen Tag neu berechnet.
Beim Hitze-Abzug muss man ehrlich sein: Bei gleicher Leistung ist heiße Luft dünner, du fährst also sogar minimal schneller. Den eigentlichen Preis der Hitze zahlt dein Körper, denn die Leistung, die du halten kannst, sinkt. Deshalb fließt Hitze nicht in die Berechnung der Zielzeit ein, sondern nur in diesen Score.
Sieben Strecken als Beispiel
An der Grafik sieht man eines: Zwei Strecken können beide um die 70 liegen und ihre Punkte aus völlig verschiedenen Gründen verlieren. Die Langdistanz in Taitung gibt etwas ans Terrain und etwas an den Wind ab, Kenting verliert fast alles an den Wind. Derselbe Athlet muss für diese beiden Rennen Unterschiedliches trainieren: für das eine die Leistungssteuerung im welligen Gelände, für das andere Position und Kopf für die Fahrt gegen den Wind.
Was der Score nicht ist
Er vergleicht, wie leicht sich eine Strecke schnell fahren lässt, nicht, wie schnell du sein wirst. Deine Zielzeit berechnet der Leistungsplan. Der Score beantwortet genau eine Frage: Auf welcher Strecke gelingt dir bei gleicher Leistungsfähigkeit leichter ein gutes Ergebnis?
Er hat auch bekannte Grenzen. Das Wetter stammt von einem einzigen Punkt und wird über die Zeit der Radstrecke gemittelt, dadurch werden einzelne windige Abschnitte unterschätzt. Der Seitenwind auf dem Weg nach Hawi in Kona ist das klassische Beispiel: In Wirklichkeit bläst er deutlich härter, als der Score vermuten lässt. Geplant ist, das Wetter künftig an mehreren Punkten abzufragen und mit hochgeladenen Fahrtdateien nachzukorrigieren. Sobald das umgesetzt ist, aktualisieren wir diesen Artikel.
Das Ranking selbst findest du hier: Ranking der Strecken, filterbar nach Region und Monat. Das Prüfsiegel neben dem Score zeigt, woher die Route stammt: „Offizielle Route“, „Fahrt-verifiziert“ (also tatsächlich abgefahren und geprüft) oder „Community-Route · in Prüfung“ (eine öffentliche Community-Route, die noch nicht nachgeprüft wurde).
Bei der Streckenwahl zählen am Ende deine eigenen Stärken. Der Score sagt dir, was eine Strecke verlangt. Ob du das mitbringst, weißt du selbst.
